Konflikte in der Beziehung navigieren
Konflikte sind in unseren Beziehungen nicht nur normal, sondern sogar gesund, denn ohne Reibung gibt es kein Wachstum. Trotzdem gehen viele Menschen ihnen gerne aus dem Weg, weil sie oft die Erfahrung gemacht haben, wie schmerzhaft und verletzend Konflikte in der Beziehung sein können.
Insbesondere Menschen, die im Human Design einen undefinierten Solarplexus haben, neigen dazu, Wahrheit und Konflikte zu vermeiden.
Dabei ist nicht der Konflikt selber das Problem, sondern in den meisten Fällen einfach die Art, wie wir unsere Konflikte navigieren.
Damit Konflikte nicht zerstörerisch wirken, sondern zum Katalysator für die gemeinsame Persönlichkeitsentwicklung in der Beziehung werden, ist es wichtig, zu verstehen, was dabei im Körper passiert.
Flooding ist ein entscheidender Faktor, warum viele Konflikte zu mehr Konflikten führen, statt zu Verständnis und Verbindung. Mit etwas Praxis und einer einfachen Atemübung kannst du deine Konflikte in Zukunft mit mehr Leichtigkeit navigieren.
Konflikte sind völlig normal
Es gibt unterschiedliche Arten, wie Menschen in ihren Beziehungen streiten. Natürlich gibt es Profis, die mit der Zeit gelernt haben, ihre Konflikte so zu gestalten, dass diese ihren tieferen Zweck erfüllen und Intimität und Vertrauen fördern.
Der Sinn eines Konflikts ist nicht immer die Klärung, sondern die andere Person und deren Perspektive besser und ganzheitlicher zu verstehen.
Wenn Streitereien in deiner Beziehung dich regelmäßig mit Gefühlen wie Frustration, Hoffnungslosigkeit, Wut oder Resignation zurücklassen, kann es sein, dass du und/oder dein Gegenüber noch nicht gelernt haben, richtig zu streiten.
In meiner Ehe hat diese Erkenntnis eine ganz neue Dimension eröffnet. Seit meiner Jugend habe ich in Konflikten immer wieder dieselben Muster ausagiert und war oft überfordert. Ungelöste und wiederkehrende Konflikte haben mich an meinen Beziehungen zweifeln lassen. Heute weiß ich, wie viel ungenutztes Potenzial in unseren Beziehungskonflikten steckt und dass es meist nur eine Frage der Bereitschaft ist, neue Methoden auszuprobieren, um Konflikte positiv zu nutzen.
Was passiert bei einem Konflikt im Körper?
Einer der Hauptgründe, warum viele Konflikte eskalieren und nicht selten viele hässliche Dinge gesagt werden, ist, dass unser Nervensystem sich bedroht fühlt. Wir verfallen in den Fight-Flight-Freeze-oder-Fawn-Modus.
Das heißt, unser inneres Alarmsystem wird aktiviert, um uns vor der wahrgenommenen Gefahr zu schützen und der Körper wird mit Adrenalin geflutet, um uns auf den Kampf oder die Flucht vorzubereiten. Ist weder Kampf noch Flucht möglich, stellen wir uns im übertragenen Sinne tot, wir machen zu oder wir “ergeben” uns.
In solche Momenten beschleunig der Herzschlag sich, die Atmung geht schneller, die Verdauung wird verlangsamt und der Blutdruck steigt. So stellt der Körper die nötige Energie zur Verfügung, die gebraucht wird, um mit der drohenden Gefahr umzugehen.
Wenn wir uns wieder sicher fühlen, wird das Adrenalin abgebaut und der Körper entspannt sich.
Das ist wichtig, denn sonst nimmt dein Körper langfristig Schaden. Dieser Mechanismus des Körpers ist sehr hilfreich, wenn du dich zum Beispiel vor einem rasenden Auto in Sicherheit bringen willst. Doch unser Gehirn nimmt auch verbale Angriffe, wie Verurteilungen, Kritik oder Verachtung als bedrohlich war. Vor allem dann, wenn wir bereits in unserer Kindheit damit konfrontiert waren.
Fühlt sich der Körper während eines Konflikts bedroht und das Nervensystem wird aktiviert, bezeichnet man das in der Psychologie als Flooding. Du bist dann rein physiologisch nicht mehr in der Lage, klar zu denken und zu kommunizieren.
Anzeichen für Flooding
Hier sind einige Anzeichen dafür, dass Flooding in deinen Konflikten eine Rolle spielt:
Du oder dein:e Partner:in haben das Gefühl, vom anderen nicht gehört zu werden.
Du sagst Dinge, die du nicht wirklich meinst.
Deine Stimme wird lauter.
Du unterbrichst oder redest über deine:n Partner:in hinweg.
Du fühlst dich atemlos.
Dein Herz rast und du hast vielleicht das Gefühl, eine Panikattacke zu bekommen.
Du mauerst, ziehst dich zurück oder machst bei Konflikten dicht.
Du fühlst dich sehr defensiv.
Du verwendest Verachtung gegenüber deiner:m Partner:in.
Flooding im Konflikt reduzieren
Mit ein bisschen Übung und Ausdauer kannst du Flooding in den Griff bekommen. Achte zunächst auf die Anzeichen. Je früher du erkennst, dass du oder dein:e Partner:in geflutet sind, desto besser kannst du mit den folgenden Techniken reagieren, um dann zur Problemlösung zurückzukehren.
Überleg dir gemeinsam mit deiner:m Partner:in einen Schlüsselsatz oder ein Wort, mit dem ihr eine Flooding-Auszeit einleiten könnt.
Verwende den Satz, wenn du bemerkst, dass du oder dein:e Partner:in geflutet sind.
Nehmt euch mindestens 20 Minuten, aber nicht mehr als 24 Stunden Zeit für die Auszeit.
Tue während der Auszeit etwas, dass dich beruhigt, entspannt oder ablenkt. Um alle Nebenwirkungen des Floodings zu reduzieren, braucht dein Körper eine Möglichkeit, das Adrenalin, den Stress und die Spannung abzubauen. Das kann z. B. ein Spaziergang, eine geführte Meditation, Atmen, Musik hören, Lesen oder Malen sein.
Lass den Konflikt für die Dauer der Auszeit los. Wenn du den Streit in Gedanken immer wieder durchgehst und dir überlegst, wie du reagieren möchtest, wenn die Auszeit vorbei ist, durchlebt dein Körper die bedrohliche Situation immer wieder und kann nicht herunterkommen.
Wenn die Flooding-Auszeit vorbei ist und du oder dein:e Partner:in sich immer noch geflutet fühlen, wiederhole den Vorgang, bis sich beide sicher genug fühlen, um zu reden. Erst dann könnt ihr euch gemeinsam auf das Problem konzentrieren und nach einer Lösung suchen.
Wenn es sich um Dauerkonflikte und wiederkehrende Probleme handelt, kann es hilfreich sein, wenn beide Partner ihre Bedürfnisse, Mechanismen und Trigger zunächst selbst besser kennenlernen. Human Design ist ein großartiges Tool, was uns seit Beginn unserer Ehe begleitet und immer wieder für Verständnis sorgt und uns dabei unterstützt zu erkennen, wo wir einander mit unserer Andersartigkeit bereichern.
Atemübung gegen Flooding
Atemübungen sind eine unserer Lieblingsmethoden, um mit Flooding umzugehen und uns zu beruhigen.
Wenn ich geflutet bin, werde ich laut oder auch hysterisch und beginne in Extremfällen auch zu hyperventilieren.
Die Atemübung, die ich hier mit dir teile, fördert die Entspannung deines Körpers und beruhigt gleichzeitig die Gedanken. Der Grund dafür ist, dass langsame Atemzüge die Kohlendioxid-Sättigung im Blut steigern, was dazu führt, dass das Blut mehr Sauerstoff zu den einzelnen Zellen transportieren kann.
Auch wenn Kohlendioxid einen schlechten Ruf hat, ist es für die gesunde Funktionsweise unseres Körpers überlebenswichtig. Ohne Kohlendioxid kann Sauerstoff nicht an die Stellen im Körper gelangen, an denen es gebraucht wird, Muskeln werden beispielsweise schlechter durchblutet und Anspannung hält länger an.
So geht’s:
Finde eine entspannte Sitz- oder Liegeposition.
Lass deinen Atem zunächst natürlich fließen.
Zähle die Länge deiner Einatmung und atme genauso lange wieder aus.
Verlangsame nach und nach die Ein- und Ausatmung.
Behalte diesen Rhythmus so lange bei, bis du merkst, wie sich dein Körper entspannt.
Die Übung ist ganz einfach und du kannst sie sowohl im Sitzen als auch im Liegen praktizieren. Finde eine entspannte Position und lasse deinen Atem natürlich fließen, so, wie er gerade ist. Nach ein paar Minuten zähle bewusst die Länge deiner Einatmung und atme genauso lange wieder aus, sodass Einatmung und Ausatmung die gleiche Länge haben. Beginne dann Ein- und Ausatmung zu verlangsamen und so zu verlängern.
Finde einen Atemrhythmus, der sich für dich gut anfühlt, z.B. 4 Sekunden ein und 4 Sekunden aus- Zähle mit, um es dir zu erleichtern und behalte die ausgeglichene Atmung so lange bei, bis du merkst, wie Körper und Geist sich entspannen.
Konflikte sind gesund und auch bei Paaren, die schon lange daran arbeiten, ihre Streitkultur wertschätzend zu gestalten, kommt es ab und an zu Flooding.
In erfolgreichen Beziehungen versuchen Paare nicht, Konflikte oder Flooding zu vermeiden, sondern haben eine Strategie, wie sie mit diesen Herausforderungen umgehen. Methoden zur Selbstberuhigung, wie die Atemübung, die ich dir vorgestellt habe, sind dabei am effektivsten. Falls du selbst eine tolle Methode hast, wie du dich selbst beruhigst, erzähl mir gerne in den Kommentaren davon.
Von Herzen
Josefine