Nervensystem verstehen: Von Dauerstress zu innerer Sicherheit

Kennst Du das? Dein Kopf sagt „Bleib ruhig“, aber Dein Körper macht sein eigenes Ding - Herzrasen, flache Atmung, angespannte Schultern. Was wie mangelnde Selbstkontrolle erscheint, ist in Wahrheit die uralte Sprache Deines Nervensystems. Eine Sprache, die Du verstehen kannst.

Um authentisch Du selbst zu sein, Deine Wahrheit zu leben und Deiner Intuition zu folgen, ist es wichtig, die Sprache Deines Nervensystems zu verstehen.

Dein Nervensystem - ein Meisterwerk der Evolution

Das Nervensystem ist nicht einfach nur ein Teil Deines Körpers, der regelmäßig Entspannung braucht und reguliert werden muss. Es ist ein ausgeklügeltes, hochintelligentes und fein justiertes Netzwerk, das in jedem Moment eine gigantische Menge an Informationen aufnimmt, interpretiert und verarbeitet. Es koordiniert JEDE Funktion Deiner Existenz, inklusive Deiner Atmung, Deines Herzschlags, Deiner Hormone, der Wahrnehmung von Bewusstsein und Deiner Entscheidungen.

Vor 25.000 Jahren war das Nervensystem das erste, was sich auf der Oberfläche einer Zelle entwickelt hat, um die Welt zu navigieren und für die Sicherheit und damit den Fortbestand und die Evolution der Zelle zu sorgen.

Die ewige Frage nach Sicherheit

Noch heute hat Dein Nervensystem die Aufgabe, für Deine Sicherheit zu sorgen.

In der Sprache Deines Nervensystems ist die ständige Frage also: "Bin ich sicher oder bin ich unsicher?"

Nimm Dir einen Moment: Wo in Deinem Körper spürst Du gerade jetzt diese Frage? Welche Antwort gibt Dir Dein Körper in diesem Moment?

Foto von Paul Morley auf Unsplash

Wenn ein kleiner Trigger zum Säbelzahntiger wird

Alles, was Dein Nervensystem tut, ist immer gesteuert von diesen wichtigen Fragen und der primären Aufgabe, Dein Überleben zu sichern. Dabei nutzt es immer noch dieselben Strategien, um unsere schnelllebige moderne Welt zu navigieren, wie in der Steinzeit, als das Leben noch sehr viel langsamer war.

Konkret bedeutet das, dass Dein Nervensystem auf einen verhältnismäßig kleinen Trigger, wie beispielsweise eine herausfordernde E-Mail auf der Arbeit oder sogar einfach auf einen Benachrichtigungston Deines Handys genauso reagiert, wie auf eine Bedrohung durch einen Säbelzahntiger.

Vor einem Säbelzahntiger wärst Du weggerannt, um Dich in Sicherheit zu bringen und hättest den Stress nach der Flucht abbauen können. Heute sitzen wir in unserem Bürostuhl, erleben Stress und komprimieren ihn in unseren Körper, ohne ihn abzubauen.

Die Langzeiteffekte davon machen uns nicht nur krank, sondern entfernen uns auch immer mehr von unserer Wahrheit - unserer natürlichen Intelligenz, die zum Ziel hat, dass wir sicher genug sind, um uns weiterzuentwickeln und zu gedeihen.

Die drei Hauptherausforderungen unseres Nervensystems

Bei der Entscheidung, ob etwas für uns sicher oder unsicher ist, ist Dein Nervensystem mit drei Hauptherausforderungen konfrontiert:

  1. Dein Nervensystem ist nicht gut für die Stressoren unserer schnelllebigen modernen Welt ausgestattet - und ist so viel häufiger herausgefordert (Workload, Familie, Social Media, Haushalt, finanzielle Sicherheit, große Städte,…) und hat dabei weniger Zeit, sich wieder zu regulieren.

  2. Die Reaktionen Deines Nervensystems werden von Deinem Autonomen Nervensystem (ANS) gesteuert und sind unbewusst, bis wir lernen, die Sprache unseres Nervensystems zu sprechen. Du kannst Dir also noch so oft vornehmen, dass Du in einer Stresssituation ruhig bleiben willst, Dein ANS wird Dich ignorieren und Deine besten Intentionen einfach überschreiben. Ruhe entsteht also nicht im Kopf, sondern im Körper.

  3. Dein Nervensystem ist nur so gut, wie seine Programmierung. Diese hängt von Deinen Erfahrungen ab und beginnt bereits ab Woche sechs im Uterus.

Das Nervensystem Paradox unserer Überlebensmuster

Ziel der Programmierung unseres Nervensystems ist es, Verhaltensweisen, die für unsere Sicherheit sorgen sollen, zur Gewohnheit zu machen, um Energie-effizient agieren zu können.

Was eine intelligente und nützliche Funktion zu sein scheint, hat eine große Herausforderung. Denn das Nervensystem kann nicht eigenständig aus seiner Programmierung aussteigen und sie Umprogrammieren, wenn eine Programmierung mehr schadet als schützt.

Das bezeichnet man als das Nervensystem Paradox. Das Nervensystem ruft Überlebensstrategien basierend auf wahrgenommenen Bedrohungen ab, auch, wenn diese nicht hilfreich sind.

Wenn Du also beispielsweise mit Alkohol auf Stress reagierst und der Alkohol für noch mehr Stress in Deinem System sorgt, wirst Du wieder zu Alkohol greifen, um auf den Stress zu reagieren, den Dein Coping Mechanismus verursacht hat.

Ein weiteres Beispiel, das vielen bekannt ist, ist sich zu übernehmen. Wenn wir Druck im Familienalltag oder im Job haben, reagieren viele Menschen mit der Strategie “noch mehr Leistung”. Doch statt damit den Aufgabenberg zu reduzieren, brennen sie auf Dauer aus. Eine gesündere Strategie wäre es, regelmäßige Pausen einzubauen, in denen wir Kraft tanken können, um dann wieder besser priorisieren und agieren zu können.

Um aus diesen Mustern auszusteigen, braucht es die Fähigkeit, innezuhalten und eine Beobachterperspektive einzunehmen. Nur so können wir die Strategie unseres Nervensystems durchbrechen und neue, gesündere Strategien etablieren.

Foto von Eilis Garvey auf Unsplash

Der Weg zur Balance

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Aufgabe Deines Nervensystems ist es, dafür zu sorgen, dass Du Dich sicher in Deinem Körper fühlst. Diese Aufgabe erfüllt Dein Nervensystem basierend auf der Programmierung, die Dein Nervensystem im Laufe Deines Lebens und evolutionär bedingt erfahren hat. Leider führt unsere Programmierung heutzutage oft dazu, dass wir in Feedback-Schleifen steckenbleiben, die unserer Sicherheit nicht guttun.

Dein Nervensystem verliert dadurch die Fähigkeit, flexibel zwischen verschiedenen Zuständen (siehe Polyvagal-Theorie) zu wechseln und kann Dein grundlegendes mentales und emotionales Wohlbefinden nicht aufrechterhalten.

Wenn der Körper über lange Zeit in diesem Zustand verharrt, spricht man von einem Überlebensmodus. Das Resultat davon sind chronische Schmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen, kognitive Probleme, Darmprobleme, Süchte, Zwänge und andere Symptome.

All das sind klassische Anzeichen einer Nervensystem Dysregulation.

Die gute Nachricht ist, Du musst nicht in diesem Hamsterrad stecken bleiben. Der Weg aus der Klemme führt über Dein Nervensystem. Dein Körper ist der Zugang zu Deiner tieferen Wahrheit. Er braucht zwar Deine Aufmerksamkeit, um sich aus seinen negativen Mustern zu befreien, aber er hat dank Neuroplastizität beeindruckende Fähigkeiten, sich anzupassen und sich selbst zu heilen.

Grundlegende Übung für mehr Körperverbindung:

Nimm Dir einen Moment und erkunde:

  • Breath (Atem): Wie atmest Du gerade? Schnell, flach, tief? Wo ist Deine Atmung spürbar?

  • Action (Handlung): Welche Impulse spürst Du in Deinem Körper? Wo? Wie intensiv?

  • Sensations (Empfindungen): Welche Körperempfindungen nimmst Du wahr? An welchen Orten in Deinem Körper? In welcher Intensität?

  • Emotions (Gefühle): Welche Emotionen sind gerade da? Wo spürst Du sie in Deinem Körper?

 
 

Ziel dieser Übung ist es, zu lernen, Deinem Körper zuzuhören. Es kann sehr herausfordernd sein, seinen Botschaften zu lauschen, ohne direkt etwas tun zu müssen. Sei liebevoll mit Dir. Der nächste Schritt ist dann, Dein altes Muster zu unterbrechen, um neue Strategien zu implementieren, die hilfreicher und gesünder sind.

Dein Körper wartet nur darauf, dass Du seine Sprache lernst. Welchen kleinen Schritt kannst Du heute gehen, um besser auf seine Signale zu hören?

Wenn Du mehr über die Sprache Deines Nervensystems erfahren und lernen möchtest, wie Du Dich wieder sicher genug in Deinem Körper fühlen kannst, lass uns gemeinsam auf diese Entdeckungsreise gehen.

Wie sicher fühlt sich Dein Nervensystem?

In einem 15-minütigen Gespräch finden wir zusammen heraus, wie dysreguliert Dein Nervensystem wirklich ist und besprechen erste Schritte. Finde jetzt einen Termin für Deinen kostenlosen Nervensystem-Check!

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